Jugend, Kultur, Freizeit

Fakten und Argumente

Jugendhilfe – Ein wichtiger Pfeiler kommunaler Familienfreundlichkeit

Die Kommunen in Baden-Württemberg leisten mit der Kinder- und Jugendhilfe einen wichtigen Beitrag für die Familienfreundlichkeit. Die zentrale Rechtsgrundlage ist das Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG). Die wichtigsten Handlungsfelder der Jugendhilfe sind Kinder- und Jugendarbeit, Sozialarbeit, Kinder- und Jugendschutz, Förderung der Erziehung in der Familie, Hilfen zur Erziehung und die Bildung, Erziehung und Betreuung in Kindertageseinrichtungen und Tagespflege (vgl. www.kinder-jugendhilfe.info). Der Großteil der Ausgaben für Kinder- und Jugendhilfe von über 2,5 Mrd. Euro im Jahr, fließt in Tageseinrichtungen für Kinder und in den Bereich Hilfen zur Erziehung. Weniger als 200 Mio. Euro kommen der Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit zugute (vgl. Statistisches Monatsheft 4/2008, »Ausgaben für Kinder- und Jugendhilfe in Baden-Württemberg 2006«)

Moderne Jugendhilfe setzt auf Prävention und auf ein sozialraumorientiertes Zusammenwirken aller beteiligten Akteure. Durch den derzeitigen Ausbau von Ganztagsangeboten an Schulen erwachsen ihr neue Aufgaben, aber auch neue Chancen der frühzeitigen Unterstützung und Begleitung von Kindern und Jugendlichen in Krisensituationen. In vielen Kommunen organisieren Schulen, Sozialarbeit, Vereine und Eltern gemeinsam ein vielfältiges und anregendes Betreuungsangebot. Davon profitieren alle Beteiligten. Die Vereine gewinnen Nachwuchs für ihre Jugendarbeit, die Sozialarbeit bekommt leichter Zugang zu Jugendlichen aus unterschiedlichen sozialen Milieus, die Schule wird als Lebensort positiv erfahren und Eltern werden in der Betreuungsaufgabe entlastet. Das niedrigschwellige Angebot eröffnet den Schülern die Möglichkeit, Verschiedenes auszuprobieren und ihren Interessen und Bedürfnissen entsprechend gefördert zu werden.

Detaillierte Informationen zu allen Bereichen der Jugendhilfe finden Sie im bundesweiten Fachkräfteportal der Kinder und Jugendhilfe sowie für Baden-Württemberg beim Kommunalverband für Jugend und Soziales BW.

Jugendliche wollen beteiligt werden

Jugendliche sind auf der Suche nach ihrem Platz in der Gesellschaft. Kultur- und Freizeitangebote können zur Auseinandersetzung mit sich und der Welt anregen, Inspiration bieten und ihnen Wege weisen. Kultur- und Freizeitangebote sind für diese Altersgruppe besonders wichtig.

Allerdings sind Jugendliche eine besonders anspruchsvolle Zielgruppe. Sie entscheiden stärker selbst darüber, welches Angebot sie wahrnehmen wollen als jüngere Kinder und sie orientieren sich stärker an der Peer-Group als an der Familie. Bei der Angebotsgestaltung und bei der Werbung für Veranstaltungen und Freizeitangebote für Jugendliche sind daher die Zielgruppen genau zu analysieren und ihre Bedürfnisse und Erwartungen zu berücksichtigen. Eine frühzeitige Einbindung bereits bestehender Jugendclubs und Jugendgruppen in den Planungsprozess ist hier von besonderer Bedeutung.

Werden Jugendliche mit ihrem Beteiligungswunsch ernst genommen, kann der Grundstein für ein lebenslanges gesellschaftliches Engagement gelegt werden. Werden Sie jedoch frustriert, weil ihre Ideen nicht ernst genommen und nicht umgesetzt werden, sind sie für weiteres ehrenamtliches Engagement nur noch sehr schwer zu gewinnen. Wer Jugendbeteiligung plant, muss im Vorfeld sicher stellen, dass nicht mehr versprochen wird, als später auch gehalten werden kann.

Instrumente der Jugendbeteiligung können Jugendgemeinderäte, Jugendbeiräte, Planungswerkstätten u. v. m. sein. Inspiration bieten z.B. die Seite www.jugendbeteiligung.info und das Portal www.buergergesellschaft.de (hier finden Sie insbesondere eine gut gepflegte Linkliste). Eine Darstellung unterschiedlicher Beteiligungsmodelle ist in der Arbeitshilfe »Aktivierung und Beteiligung von Familien« enthalten. Im Projekt »mitWirkung« wurden erfolgreiche Praxisbeispiele aus dem ganzen Bundesgebiet gesammelt.

Warum wir kulturelle Angebote für Familien brauchen

Kultur- und Freizeitangebote geben wichtige Impulse für ein lebendiges Gemeinwesen und ein gelingendes Zusammenleben der Generationen und Kulturen. Kultur legt einen Grundstein zu einer offenen, toleranten und innovativen Gesellschaft. Kultur bedeutet für Familien und Kinder, Neues kennen zu lernen und »über den eigenen Tellerrand zu schauen«.

Kommunen, die Kinder- und Jugendliche durch ein altersgemäßes Kultur- und Freizeitangebot in ihrer sozialen und kognitiven Entwicklung fördern, können mittel- und längerfristig das soziale Klima verbessern und Suchtmittelmissbrauch, Jugendkriminalität und Jugendarbeitslosigkeit vorbeugen. Dabei bedarf es häufig keiner kulturellen Großaktionen, mit kleinen Maßnahmen lässt sich oft viel mehr bewegen.

Leseförderung sichert den kulturellen Zugang

Der erste und wichtigste Zugang zur Kultur erfolgt über das Lesen. Wissenschaftliche Studien belegen die Bedeutung des Lesens für den Schulerfolg, das Verständnis der Welt und damit für eine aktive Teilnahme an der Gesellschaft (vgl. Stiftung Lesen – Leseforschung aktuell). Ehrenamtlich engagierte Bürgerinnen und Bürger als Vorlesepaten sind eine häufig und erfolgreich praktizierte Methode der Leseförderung, die sich leicht in die Arbeit von Betreuungseinrichtungen integrieren lässt. Die Initiative »Lesen in Deutschland« bietet wertvolle Hinweise und Materialien zur außerschulischen Leseförderung.

Alle Zielgruppen bedenken, alle Familien und Kinder einschließen

In unserer Gesellschaft ist der Zugang zu Kultur ungleich verteilt. Je nach Bildungsgrad, Wohnort, finanzieller Ausstattung bestehen für Familien unterschiedliche Möglichkeiten der aktiven Teilhabe am kulturellen Angebot.

Um Familien einen Zugang zu Kultur zu ermöglichen, müssen spezielle Angebote entwickelt werden. Viele Kulturveranstaltungen sind von Inhalt, Gestaltung, Zeitpunkt etc. für Familien oft nur wenig geeignet. Kinder haben besondere Anforderungen an kulturelle Darbietungen. Sie erwarten Erleb- und Erfahrbarkeit des Gebotenen, es muss spannend gestaltet sein und sie wollen Bezüge zu Ihrer Lebenswelt erkennen.

Wichtig ist, dass vor allem auch Familien gezielt angesprochen werden, die gewöhnlich nicht am Kulturprogramm vor Ort teilnehmen. So können interkulturelle Feste und Veranstaltungen auch Familien mit Migrationshintergrund mit einbeziehen oder Projekte in Kooperation mit Kulturvereinen initiiert werden.

Eine Förderung von Familien mit geringem Einkommen oder höherer Kinderzahl ist z.B. durch einen Familienpass möglich, der Vergünstigungen für kulturelle Angebote bietet. Als Veranstaltungsorte sind z.B. Schulen und Betreuungseinrichtungen geeignet, da sie allen Kindern und Jugendlichen aus ihrem Alltag vertraut sind.

Vereine und Ehrenamt sind wichtige Pfeiler des Freizeitangebots in den Kommunen

Vereine und ehrenamtliches Engagement machen ein vielfältiges Freizeit- und Kulturangebot erst möglich. Viele Vereine arbeiten intensiv mit Schulen und Einrichtungen der Jugendarbeit zusammen, indem sie sich beispielsweise an der Nachmittagsbetreuung in den Schulen oder an Projekten der Jugendarbeit beteiligen. Das ehrenamtliche Engagement in den Vereinen und Initiativen ist ein Grundpfeiler des örtlichen Gemeindelebens.

Der Freiwilligensurvey, der bundesweit im Jahr 1999 und 2004 das ehrenamtliche Engagement der Bürger ermittelte, zeigt für Baden-Württemberg eine überdurchschnittliche Engagementquote: 73 % der Bevölkerung über 14 Jahren sind in Baden-Württemberg gemeinschaftlich aktiv, d.h. sie sind beispielsweise Mitglied in einem Verein. 42% der jugendlichen und erwachsenen Baden-Württemberger haben ein Ehrenamt inne.

Die Quote der ehrenamtlich Aktiven ist von 1999 bis zum Jahr 2004 sogar leicht angestiegen. Dennoch klagen viele Vereine über Nachwuchssorgen. Besonders Trainer-, Vorstands- und Kassierposten sind häufig nur noch schwer zu besetzen, da sie eine hohe zeitliche Belastung darstellen. Die Kommunen können durch ihre Vereinsförderung, durch vielfältige organisatorische Hilfen und durch eine öffentliche Wertschätzung des Ehrenamts (»Anerkennungskultur«) die ehrenamtlich Aktiven wirkungsvoll unterstützen und dazu beitragen, dass auch immer wieder neue Aktive gewonnen werden (vgl. Lebendige Bürgergesellschaft in Baden-Württemberg).

Anregungen und Hilfestellungen bietet das Sozialministerium Baden-Württemberg mit der Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement, die Sie bei Fragen auch gern unterstützt.

Die Bestandsaufnahme der Angebote

Kommunen, die ihr Jugend-, Kultur- und Freizeitangebote weiterentwickeln wollen, sollten sich folgende Fragen stellen:

Dies sind nur einige Fragen, die Sie sich stellen sollten, wenn Sie sich mit dem Kultur- und Freizeitangebot in Ihrer Kommune befassen. In der »Handreichung Familienfreundliche Kommune« finden Sie weitere Fragen, die sie bei der systematischen Beurteilung der Situation vor Ort unterstützen. Die Handreichung wurde als konkrete Arbeitshilfe gemeinsam von der FamilienForschung Baden-Württemberg, dem Kommunalverband für Jugend und Soziales und dem Netzwerkknoten Baden-Württemberg der Lokalen Bündnisse für Familie erarbeitet.